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Die Kirchengemeinde

Altar Hochaltar mit Schnitzwerk aus Ranken. Die Figuren Glaube und Hoffnung flankieren die Kreuzigungsszene in der Mitte. Darunter auf der Pedrella die Darstellung des letzten Mahles Jesu. Auf dem Tisch erkennt man das Passahlamm.

Auf einem Geestrücken zwischen den Flüssen Eider, Treene und Sorge und inmitten Schleswig-Holsteins liegt das Kirchdorf Bergenhusen, zu dessen Kirchspiel auch die Gemeinden Wohlde und Meggerdorf gehören.
Die Gemeinde umfasst 1600 Gemeindeglieder und liegt im Zentrum eines Naturschutzgebietes, das besonders dem Storchenschutz verbunden ist.
1304 wird Bergenhusen erstmals urkundlich erwähnt. Daraus schließen die Forscher, dass es bereits eine Felsenkapelle an diesem Ort gab, die allerdings erheblich kleiner gewesen sein muss als die jetzige Kirche. Nachdem diese im 18. Jahrhundert so baufällig geworden war, dass in ihr keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten, befahl Herzog Christian August im Jahr 1711 die Reparatur von Kirche und Glockenturm.
Die Gemeinde beschloss jedoch, auf den erweiterten Grundmauern der Kapelle eine neue Kirche zu bauen. Die anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten wurden aus dem Weg geräumt, indem die Stadt Hamburg eine Kirchbaulotterie gestattete. So konnte am 14. Dezember 1712 in Gegenwart des Herzogs und Bischofs Christian August die neue Kirche, wie sie heute zu sehen ist, eingeweiht werden.

Der Kirchbau

Kirche in Bergenhusen Nordseite

Die schwarz eingelassene Jahreszahl im pfannengedeckten Satteldach, aber auch die Grundsteine, die an der Außenwand des Chores erkennbar sind, erinnern an dieses Einweihungsjahr. Abweichend von älteren Bauten hat diese Kirche keinen schmalen Altarraum. Sie ist als Saalkirche konzipiert. Den Abschluss im Osten bildet ein fünfseitiger Chor. Das Fundament besteht aus unbearbeiteten Feldsteinen - evtl. Reste der alten Kirche. Darauf ruhen behauene Granitsteine. In etwa 2 Meter Höhe rückt die Mauer nach innen ein, und geht in eine Ziegelsteinmauer über.
Die breiten Fenster mit ihren spitzen Bögen erinnern an die Gotik. An der Südseite führen zwei einfache Portale in die Kirche, davon hat das östliche einen Vorbau, dessen Satteldach ans Kirchendach stößt. Über der Tür ist eine Sonnenuhr. Die Nordseite hat an der gleichen Stelle einen Vorbau, der früher als Leichenhalle genutzt wurde.

Das Innere der Kirche

Auferstehungsdarstellung Auferstehungstür am Ausgang. Gestiftet durch die Meggerdorfer Gemeindeglieder und fertiggestellt im Jahr 1734

Das Innere der Kirche ist durch die unterschiedlichsten Malereien ausgeschmückt. Auffällig ist die Balkendecke, die mit großen Ranken auf bläulichem Grund verziert ist. Auf den Wolken in der Mitte schweben Engelsköpfe.
Die Malerei auf der Innenseite der alten Holztür, die vom Turm in das Kirchenschiff führt, wurde als Zeichen ihrer Verbundenheit von den Meggerdorfer Gemeindegliedern 1734 gestiftet und zeigt die einzige Auferstehungsdarstellung in der Kirche. Bis heute führt sie besonders bei Trauerfeiern der Gemeinde sinnbildlich vor Augen, dass unser letzter Weg auf den Friedhof im Lichte der Auferstehung gegangen werden darf.

Der Altar

Pedrella Kirche Bergenhusen

Zentrum eines jeden Gottesdienstes ist der Altar im Osten des Kirchenschiffs. An ihm wird bis heute das Abendmahl gefeiert. So ziert den aus Ziegelsteinen aufgemauerten Tisch des Herrn eine Abendmahlsszene eines unbekannten Holzschnitzers. Vor dem Passahlamm verkündet Jesu seinen Jüngern den Verrat. Aufgeregt fragen alle nach, ob sie es seien, die Jesus ausliefern. Nur Judas, am linken unteren Reliefrand wendet sich von der Szene ab. Er hat den Beutel mit dem Blutgeld schon in der Hand. So bezieht der Künstler die um den Altar versammelte Gemeinde in die Frage nach ihrer Treue in die Abendmahlsszene ein.

Tugendfigur "Glaube" mit Kelch auf der rechten Altarseite des Altares Bergenhusen

Über dem Bild erhebt sich ein Kruzifix, das in eine gemalte Landschaft gestellt ist. Auf der linken Seite des Altars steht eine Figur mit dem Zeichen der Hoffnung (Anker); auf der rechten erkennt man den Kelch als Zeichen des Glaubens. Der gesamte Altaraufsatz ist um 1650 entstanden und aus der alten Kirche übernommen worden.

Die Taufe

Das Taufbecken ist aus belgischem Marmor hergestellt und stammt noch aus der katholischen Zeit. Bis heute taufen wir mit dem Wasser aus dem großen Kupferkessel.

Links neben dem Altar steht die Taufe, eine sorgfältige spätgotische Arbeit aus dunklem Marmor. Ihre Größe lässt vermuten, dass in ihr die Täuflinge noch ganz untergetaucht wurden, als Zeichen dafür, dass in der Taufe das Alte erstirbt (ersäuft) und aus der Taufe ein neuer Mensch geboren wird, der nun in Christus lebt.

Die Kanzel

Kanzel Bergenhusen Kanzel aus dem Jahr 1637, gestiftet von Katharina Odefey, der Witwe des ehemaligen Kirchspielvogts.

Ebenfalls aus der alten Kirche übernommen worden ist die Kanzel an der Südwand der Kirche. Sie zeigt ihr Alter auf der Umschrift selber an:
"Anno 1637 hat Heldt Odefei, Carspelvaget, nachgelassene Witwe Catrin zu Gottes Ehren, der Kirche zur Zier disse Cantzel geb.(en.)"
Auf fünf Feldern stellt sie die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer, das Gebet im Garten Gezemane, die Kreuzigung, Christi Auferstehung am Ostermorgen und seine Himmelfahrt dar. Mit den zentralen Bildern aus dem Leben Jesu war so die Kanzel für die Gemeinde schon eine Predigt für sich.

segnender Jesus geschnitzte Jesusfigur über dem Kanzelaufgang der Kirche Bergenhusen

Die Tür zum Aufgang hat einen kleinen Giebel, den Figuren von Christus mit der Weltkugel, Petrus und Paulus schmücken. Sie sind gleichzeitig mit der Kanzel geschnitzt. Der sechseckige Kanzeldeckel hat kleine Figürchen mit Marterwerkzeugen, die auf die Passion Christi hinweisen. Zwischen diesen haben früher mehrere Figuren gestanden, von denen heute nur noch zwei vorhanden sind: Die Nächstenliebe und die Hoffnung. Eine von diesen trägt das Odefeische Wappen und die Buchstaben H.O.F.
Die Kanzel ist ein Werk des Husumer Schnitzers Berend Cornelissen. Von ihm sind auch Werke in den Kirchen von Kahleby, Gelting und Horsbüll erhalten. Er gehörte zu den führenden Meistern in Husum.

Die Opferstöcke

Opferstock Eingemauerter Opferstock hinter dem Altar der Kirche Bergenhusen

Aus dem Jahre 1714 sind die hölzernen Operstöcke im Altarraum, einer rechts vor dem Taufbecken, der andere links hinter dem Altar. Sie dienten zur Aufnahme der Geldspenden beim Besuch des Abendmahls.
Man ging dann links am Altar vorbei, spendete zum ersten Mal, empfing das Brot, ging auf der Rückseite des Altars, spendete ein zweites Mal, um dann den Kelch zu empfangen.
Beachtenswert sind auch die beiden schönen alten Messingleuchter auf dem Altar. Sie tragen die Inschriften : Am Tage aller Hillig. M. Henricus Niemann thor Ehre Gades verehret 1599, und: Am Tage Allerhilligen Melchior Odenfei thor Ehre Gades verehret Anno 1599.
Die Orgel ist von der Firma Kemper, Lübeck, erst in den 60iger Jahren in den alten Prospekt eingebaut worden.

Das Gestühl

Isaaks Opferung Stuhlbemalung in der Kirche Bergenhusen

Um auch bei hohen Feiertagen genügend Raum in der Kirche zu haben, sind die Ost-, West- und Nordseite mit Emporen umbaut. Sie wurden im 19. Jahrhundert mit 44 Bildern geschmückt, die einzelne biblische Geschichten darstellen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Jesu bis in seinen Tod.
Weitere Malereien, ebenfalls aus dieser Zeit, finden sich auf den Abschlüssen des Gestühls im Altarraum oder im hinteren Teil des Kirchenschiffes.

Der Flügelaltar

Flügelaltar restaurierter Flügelaltar (vor 1613)

An der Nordwand hängt seit Sommer 2004 der restaurierte Flügelaltar, der durch den Hochaltar der "neuen" Kirche 1650 ersetzt wurde.
Der "alte" Altar" besteht aus einem Hauptfeld in der Mitte sowie zwei Flügeln, die inzwischen nicht mehr klappbar sind.
Der Künstler der Bilder ist unbekannt, das linke untere Feld wurde im Zuge der Restaurierung von U. Plambek dem übrigen Altar nachempfunden.